Samstag, 23. Juli 2016

Facebook Liebeskummer? #MuslimProblems

Aaach die Liebe. Schmetterlinge im Bauch und den ganzen Tag träumt man nur vor sich hin. Oder wie es heutzutage eher der Fall geworden ist: Rasierklingen im Bauch und den ganzen Tag depressive Stimmung.

Ja meine lieben Geschwister. Auch dieses Thema muss hier besprochen werden. Denn es ist leider ein Teil unserer aktuellen Realität geworden, dass die meisten jugendlichen Geschwister in sozialen Netzwerken in eine Liebeskomplikation gefallen sind. Entweder hat man es selber schon erlebt oder kennt Geschwister, die irgendwie da rein gerutscht sind. 

Zwischen den ganzen "Akhis" und "Ukhtis", die sich anhand gewisser Kriterien relativ schnell als Gleichgesinnte identifizieren, ergeben sich magische Momente des hin und her "likens" der Beiträge, bis dann eine diskrete Nachricht (in den meisten Fällen seitens des Bruders) kommt, dass man doch irgendwie Interesse an einem Kennenlernen hätte.

Die Variationen, wie es zu diesem Moment kommt, sind zahlreich. Einige tasten sich voran mit der Like-Methode, während andere gemeinsame Administratoren einer Seite sind und sich dann irgendwann gern haben oder auch aus ursprünglich sehr nützlichen Umständen, wie dass der Bruder/die Schwester der anderen Person in irgend einer Sache hilft, wie in Angelegenheiten der islamischen Fragen oder durch Korrekturen von Texten usw.

In all den Jahren, in denen ich so viele Geschichten in meiner Umgebung miterlebt habe, muss ich irgendwie doch gestehen, dass die Anzahl dieser Fälle beschämend hoch ist.

Am Ende schreiben dann beiden Seite immer mit der Einstellung, dass man doch alles innerhalb der Grenzen Allāhs machen will und dass alles auf "Ḥalāl"-Wege geht. Naja, leider klappt das in den meisten Fällen nicht so gut und es endet in einem Gefühlschaos. Es enstehen verschiedene Stufen der Zuneigung und mit der Zuneigung zerfallen die Grenzen, auf die man ja ursprünglich achten wollte und am Ende will man dann doch ernst werden, schaltet die Familien vielleicht (wenn es überhaupt dazu kommt) ein und es enstehen irgendwie Probleme und dann kracht alles zusammen. Und? Was bleibt? Zwei gebrochene Herzen. 

Daraufhin folgt das klassisch-manische liken von pseudo-depressiv eingestellten Seiten, wo den ganzen Tag tiefsinnige Zitate über die düsteren Seiten des Lebens gepostet werden. So weit das Szenario.

Ich möchte in diesem Artikel einige Denkfehler verdeutlichen, welche diese Geschwister eingehen und wozu das letztendlich immer führt.

Problem #1 : Interpretationsfreiheit

Eines der wichtigsten Probleme sind die Lücken, die beim Kennenlernen einer Person enstehen. Es ist klar, dass man nur das Beste vom Kuchen erfährt. Die Profile geben kein realistisches Bild einer Person ab und was macht man da natürlich? Ja genau! "Logischerweise muss diese Person exakt so gut sein, wie ich mir meine künftigen Partner/meine künftige Partnerin vorstelle. Er/Sie hat letztendlich ein Profilbild mit Bart/Niqab." Falsch! Es gibt eine sehr feine Linie zwischen realistischem ḥusnu ẓ-ẓann (gutes Denken von jemanden) und Leichtsinnigkeit. 

So sagt der Allwissende (Al-ʿAlīm) im Qurʾān:

"Doch sie folgen nur den Vermutungen. Aber wahrlich, die Vermutungen ersetzen niemals die Wahrheit." (Sūrah an-Naǧm -  Vers 28)

Diese Lücken, die man nicht füllen kann mit konkreten Informationen werden immer mit den Wünschen gefüllt, die man an einer Person hat. Träumerei nenne ich sowas. Die Tatsache, dass man sich überhaupt die Möglichkeit als offen hält, auf sozialen Netzwerken einen Ehepartner/eine Ehepartnerin zu finden, ist der eigentliche Grund, warum man überhaupt dazu geneigt sein könnte, jemanden mit so einem Auge zu betrachten.

Problem #2 : Probleme beim Suchen

Ja wir wissen alle, dass das Heiraten eine islamisch und menschlich notwendige und anzustrebende Sache ist. Und ja, die anderen Argumente wie "Es ist in Deutschland so schwer einen Bruder/eine Schwester auf Manhaǧ zu finden." Ja ja, immer der Manhaǧ. Dann gibt es noch die Sündenbock-Methode: "Die Moscheen und Gemeinden helfen nicht richtig." 

Was kommt natürlich als nächstes in Frage? Genau. Man geht auf eigene Faust in die Menge und sucht sich einfach den passenden Partner. Neben den vielen Methoden in der realen Welt, die mehr oder weniger ganz vernünftiger Natur zu sein scheinen, ergeben sich die sozialen Netzwerke für viele Geschwister als die passendste Stelle. Es ist alles diskret und man kann sich vieles zurechtbiegen, bevor man irgendwie zum Thema kommt.

Ich will hier auch die Methoden der sozialen Netzwerke nicht anprangern. Es gibt viele vernünftige Wege, wie man auch online zum guten Ergebnis kommt, aber leider sind die Fälle der unvernünftigen Art immer noch viel zu hoch.

Problem #3 : Gute Absicht

Und wenn man dann, wie auch immer, einen guten Eindruck von einer Person bekommen hat, fängt der Film mit dem Anschreiben an. Es mag sein, dass die Sache ganz sauber anfängt. Man hat eine gute Absicht, will sich kennenlernen, Eltern einschalten usw. usf. 
Wenn es dabei bleiben würde und es sofort zu der Eltern-Szene käme, wäre ja alles theoretisch gut. Aber leider ist das nicht so oft der Fall. Oft gibt es noch erstmal sowas wie "Ja, bevor die Eltern eingeschaltet werden, würde ich gerne noch einiges über dich erfahren." Warum? Ja wegen dem, was schon bei Problem #1 angesprochen wurde. Das meiste weiß man ja gar nicht. Jetzt müssen erst einmal einige Lücken mit echten Fakten gefüllt werden.

Ja und dann fängt der ganze Spaß immer an. Im "sachlichen" Austausch kommt es irgendwann zu Gefühlsentwicklung und die Tonart im Gespräch wird immer lockerer usw. Die wundersame Art und Weise, wie Männlein und Fräulein sich langsam aber sicher doch lockern ist ein Grund zur Vorsicht als auch ein Grund, den Schöpfer dieser Phänomene zu loben.

Der Rest ist dann bekannt. Islamische Ethik rückt in den Hintergrund. Grenzen werden überschritten und es wird maßlos und leichtsinnig gehandelt. Man redet sich vieles schön und entschuldigt auch vieles am eigenen Tun. Wie ein Gift wird die Sündhaftigkeit nicht einmal ein Problem für das Gewissen. 

Der Allweise (Al-Ḥakīm) sagt im Qurʾān:

"Und kommt der Unzucht nicht nahe - seht, das ist ein schändliche Sache und ein übler Weg." (Sūrah al-ʾIsrāʾ - Vers 32)

Die Weisheit der Sache steckt in den Worten des Allweisen. Die Gefühle des Menschen sind so, dass diese Komplikation zwischen den Geschlechtern jeden Menschen gleicherweise treffen kann. Ob man nun von denen ist, die den ganzen Tag im Dienste der Religion sind, oder ob man von denen ist, die eher passiv im Bezug auf die Religion sind. Das spielt keine Rolle. Der Weg beginnt immer mit dem Willen.

Problem #4 : Blindheit der Augen

Dieses Problem greift erst ein, wenn das Szenario anfängt, negative Aspekte zu bekommen. Wie ich bereits erwähnte, gehen diese Geschichten meist in die Hose und bis es ganz zusammenbricht, durchleben beide Seiten einige Konflikte. Kummer, Leid, Ausweglosigkeit, Frust durch Hoffnung und viele weitere Aspekte greifen in unterschiedlichen Momenten ein. 

Diese Probleme beginnen oft klein und werden dann immer schmerzhafter, umso länger man versucht, verkrampft an dem Plan festzuhalten.

Und hier ist das große Geheimnis des Schicksals, welches der Aufrechterhaltende (Al-Qayyūm) auf feinste Art und Weise bestimmt hat. Unser erhabene Herr hat die Angelegenheiten des Herzens so fein gestaltet, dass man das Herz oft eigentlich als Wegweiser nutzen sollte. So wie in einigen ʾAḥādīṯ berichtet wird, empfahl der Prophet, Friede und Segen seien auf ihm, dass man in bestimmten Unklarheiten auf sein Herz hören sollte. 

Unsere Beziehung zu Allāh ist wie ein Handel, bei dem wir Gute Taten vorausschicken, damit diese auf uns zurückwirken als eine Gunst von Allāh. Gleicherweise ist es aber auch mit den schlechten Taten, die wir genau so vorausschicken und oft deutliche Antworten im Schicksal erleben, aber leider geblendet sind, um zu erkennen, was Allāh uns damit sagen will/wollte.

Oft lösen wir Probleme, die uns den Kopf zerbrechen und wenn wir zurückschauen denken wir uns, wie eindeutig doch die Lösung war. Daher ist es sehr wichtig zu wissen, dass man diese eindeutigen Lösungen schon am Schicksal abliest, wo man es noch auf nützliche Art umsetzen kann.

Der (der die Sünden) Verdeckende (As-Sattār) sagt im Qurʾān:

"Was dich an Gutem trifft, kommt von Allāh und was dich an Schlechtem trifft, kommt von dir selbst." (Sūrah an-Nisāʾ - Vers 79)
Im Vers davor heißt es jedoch "Alles ist von Allah" (Vers 78)

Šayḫ al-ʾIslām ibn Taymiyya, möge Allāh sich seiner erbarmen, schrieb zu diesen Versen ein ganzes Buch, worin er einige Aspekte des Schicksals und ihre Lehren verdeutlicht.

So sagt er sinngemäß, dass es sich bei diesen Vers um das Gute und das Schlechte in Form von Taten und Resultaten handelt. 

Während die Taten alle mit unserem Willen beginnen, ist die Verwirklichung unserer schlechten Taten von uns selbst, während die Verwirklichung der guten Taten von Allāh kommt, indem er diese segnet und fördert.

Daraufhin folgen Resultate, die gänzlich von Allāh sind. Haben wir etwas Gutes vorausgeschickt, kommt etwas Gutes. Haben wir etwas Schlechtes vorausgeschickt, kommt etwas Schlechtes.

Auf das angesprochen Problem angewendet, bedeutet dies, lieber Bruder/liebe Schwester, folgendes: 

Wenn Allāh dir dein Vorhaben in Form von Kummer und Leid erschwert und dir Probleme macht, dann nur, weil dein Herz sich bei deinem Herrn beschwert, dass du es in die Sünde gezwungen hast. Wenn Allāh dir das Leben zu einem Ort des Leides macht und graue Wolken aufziehen, dann wisse, dass dein Herz zurück möchte zu Allāh. Denn auch wenn du es nicht weißt... dein Herz weiß, dass wenn Allāh etwas für dich als gut bestimmt hat, dass du auf diesem Weg keine Probleme haben wirst. Wenn doch das Licht der Himmel und der Erde dein Wegweiser ist! Wisse, dass du nicht zu erwarten hast, dass dieser Herr, der Weichmütige (Al-Ḥalīm) dir den Weg zum Guten mit Leid und Kummer pflastern wird.

Verwechsel nicht das Leid, welches die Geprüften erleiden, mit deinem Leid. Während die Geprüften ein Leid im Guten erleben, ist das Leid der Sündigen, nur das Resultat ihrer vorausgeschickten Sünden.

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