Samstag, 16. Juli 2016

Die Gefahr von Begriffen

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen von allen Seiten beeinflusst werden. Die Reize und Informationen, die wir tagtäglich verarbeiten müssen, sind so vielfältig, dass viele Muslime leider daran scheitern, die Richtigkeit und Wichtigkeit der Informationen abzuwägen und zu überprüfen.

Jeder Gläubige wird sich dieser Verantwortung bewusst, wenn er davon hört, dass es eine Pflicht für uns Muslime ist, Wissen zu erwerben. Jedoch ist es leider so, dass viele Muslime unter den Druck der ganzen Informationen geraten und diese Zeit, in der man über das erworbene Wissen nachdenkt, zu kurz kommt.

Da dies für viele Muslime eine Schwierigkeit darstellt, ergibt sich bei vielen der Prozess der Vereinfachung. Das Wissen wird nur noch in Form von Mustern und Begriffen verarbeitet und nicht so, wie man es eigentlich verarbeiten sollte. Denn eigentlich sollte nicht nur Wissen erworben werden, sondern vielmehr auch verdaut und analysiert werden.

Warum ist das, was ich von diesem Gelehrten lese für mein Leben und für das Leben der Muslime wichtig? Warum hat unser Herr dieses und jenes Urteil erlassen? Welche Weisheit steckt dahinter? Solche und solcherlei Fragen sind wichtig, damit wir verstehen, welche Weisheiten und welche Absichten hinter dem Wissen stecken. Dadurch können wir unser Verständnis über Allāh, Lob und Preis auf Ihm, erweitern und eine tiefe Beziehung zu ihm aufbauen.

Jedoch ist es so, dass unser Ego (Nafs) zur Einfachheit neigt, wenn die Situation zu schwer wird.

So sagt der Allwissende (Al-ʿAlīm) im Qurʾān:

"Wahrlich befiehlt das Ego immer wieder das Schlechte, außer denen, denen sich mein Herr erbarmt." (Sūrah Yusuf - Vers 53)

Und diese Schlechtigkeit zeigt sich darin, dass wir dem Wissen nicht gerecht werden.

Ein großes Problem, welches die Menschheit immer wieder belastet hat, ist die Vereinfachung des Wissens durch Begriffe.

Man erzeugt Vorstellungen von bestimmten Begriffen, die an sich sehr viel feiner betrachtet werden müssen. Wörter, die an sich viel Erklärung bedürfen, werden verwendet, um sich damit zu bekämpfen und zu beschimpfen.

Das beste Beispiel sind Bezeichnungen von Gruppierungen. Eine Vorstellung von einer Gruppierung wird verbreitet und viele Menschen nehmen dies an und nutzen diese Begriffe nun als Kampfbegriffe, um jemanden zu diskreditieren und zu beleidigen.

Auf der anderen Seite werden andere Begriffe verheiligt und genutzt, um ein Gefühl von Exklusivität und Besonderheit zu erzeugen.

Um einige Beispiele zu nennen:
"Der Soundso ist ein Taġūt."
"Demokratie ist Kufr."
"Diese Leute gehören zu den Murǧiʾah."
"Wir sind die wahren Muwaḥḥidūn!"

Dies ist ein großes Problem, welche die Gelehrten schon oft genug angesprochen haben. Die Muslime fixieren sich auf Begriffe und ein mancher könnte keinen von diesen Begriffen erklären, aber sagen, welche Personen unter diese Begriffe fallen.

Es ist wichtig, dass wir als Muslime klare Worte äußern. Wir müssen wissen, was wir sagen und wir dürfen unsere Religion nicht zu einer Sprüche-Religion reduzieren.

Jeder muss sich bewusst darüber werden, dass er ganz genau weiß, worüber er redet. Daher ist es wichtig, dass wir Inhalte und Informationen nicht einfach so auswendig lernen und wiedergeben, sondern das Gelernte auch verarbeiten und durchdenken.

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