Sonntag, 16. Oktober 2016

Einige Worte zum menschlichen Paarungsverhalten

Ich wurde gefragt, inwiefern die Verschleierung bei Frauen ein Interesse hervorrufen kann und inwiefern sich die Verschleierung auf ihre Attraktivität auswirkt.

Die Fragestellung, inwiefern verschleierte Frauen anziehend wirken können und ob die Verschleierung sexuelle Anziehung hemmt oder nicht, ist differenziert zu betrachten.

Es gibt eine physiologische und eine psychologische Ebene.

Die physiologische Ebene beinhaltet die biologischen Paarungsmuster des Menschen. So dass man im Lichte der natürlichen Anziehung bei dem Partner auf bestimmte Sachen achtet, die paarungsbedingt das Interesse hervorrufen. Die physiologische Ebene ist bei jedem anders ausgeprägt. Wenn man eine physiologisch starke Ausprägung hat, wird man immer auf die äußerlichen Faktoren achten, die unterbewusst und rein biologisch die Hinweise darauf geben, welche Personen "fruchtbarer" oder angemessener sind für die Fortpflanzung. Dazu sei nur so viel gesagt.

Die psychologische Ebene ist etwas umfangreicher.

Es gibt die Ebene der Vorstellungen und die Ebene der Normen.

Die Vorstellungen sind Gewisse "Meinungen", an denen man festhält. Dazu gehören sozio-ethnische (kulturelle) Vorstellungen und individuelle Wünsche. So hat ein Mensch nur Gefallen an einem gewissen Kulturkreis oder er hat aufgrund seiner persönlichen Entwicklung an bestimmten anderen Aspekten Gefallen, die sich je nach Mensch unterscheiden.
(An der Ebene der Vorstellung hält man fest, weil man denkt, dass man daran festhalten müsste. Sie sind nicht notwendig, sondern eingetrichtert oder durch Umstände entstanden, wodurch man sich an diese gebunden hat. Diese Vorstellungen sind künstlich.)

Und dann gibt es die Normen. Diese sind die sogenannten "inneren Werte" oder der Charakter. Der Charakter bestimmt das Denken und die Persönlichkeitszüge des anderen. Welche Religion, welche Ideen, welche Ideologien, welchen Humor, welchen Wertmaßstab, welches Level des Intellekts eine Person besitzt usw.

Die Normen-Ebene ist das Gegenstück zur biologischen Ebene. Wenn man biologisch nach einem Partner sucht, ist man wie ein Tier. Wenn man die Ebene der Normen hinzuzieht, dann bringt man die Komponente der Menschlichkeit mit hinein, die Ebene der Vernunft und des Intellekts.

Je nachdem, wie sehr welche Ebenen ausgeprägt sind, werden sich die Prioritäten bei der Partnerwahl anpassen. 

Nun zu der Frage mit der Verschleierung:

Die Verschleierung gehört zu den Normen. Eine Norm, die die Funktion hat, dass Frauen ihre biologischen Reize verdecken, damit das tierische in einem Mann nicht in Verlegenheit gerät.

Wenn man nun Interesse an einer Frau hat, die sich der Norm gemäß bedeckt ohne dass man sie genauer kennt, dann nur deshalb, weil man mit der Norm eine gewisse (künstliche) Vorstellung verbindet. Zum Beispiel, dass ein Mann denkt, dass jede Frau mit einer gescheiten Bedeckung eine rechtschaffene Frau ist. Dies ist ein Trugschluss und an so einer Vorstellung müsste man logischerweise festhalten und sie künstlich aufrecht erhalten, damit sie wie ein Fakt wirkt.

Noch schlimmer ist es, wenn jemand eine bedeckte Frau sieht und das auch noch sexuell anziehend findet. Denn das bedeutet, dass man unter der normativ verdeckten Frau seine Vorstellungen von einer biologisch-anziehenden Frau erzeugt. Da man nicht weiß, wie diese Person physisch ausgeprägt ist, erzeugt man die Vorstellung von dem, was man sich wünscht. Man denkt sich seine Wünsche da rein. 

So sagte Saʿdī:
Wie mancher Wuchs scheint schön und schlank, vom Schleier wohl bedeckt:
Ein altes Mütterchen ist's nur, wenn man ihn aufgedeckt.

Daher können wir hier folgende Konflikte nennen:
1. Eine zu starke Ausprägung der biologischen Orientierung, so dass alles andere in den Hintergrund fällt und man nach tierischen Mustern nach einem Partner sucht.
2. Eine starke normative Ausprägung, welche durch Zugabe von eigenen Vorstellungen dazu führt, dass man normativ etwas erhofft, was nicht notwendig stimmen muss. So dass man hinter der Verschleierung oder hinter einem Bart die Vervollkommnung der Tugenden erhofft.
3. Eine Starke Ausprägung der biologischen Orientierung und die Irreführung durch die Vorstellungen, so dass das normativ Unbekannte/Verdeckte aufgrund der fehlenden Details so fantasiert wird, als ob es der biologischen Vorstellung dieser Person entsprechen würde.

Die Probleme kommen somit durch falsche Vorstellungen zustande. Die Zugabe von Vorstellungen "verschleiert" die Sicht und das Urteil. So macht man sich ein eigenes Maßstab und bildet sich eine eigene Realität.

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