Donnerstag, 14. Februar 2019

Die Liebe zu Allāh

Dies ist eine schriftliche Zusammenfassung eines Vortrags zum Thema Die Liebe zu Allah (Link zum Video)

Allāh, Lob und Preis gebührt Ihm bei all Seinen Namen und Eigenschaften, spricht in Seinen offenbarten Worten, indem er dem Propheten Muḥammad, Friede und Segen auf ihm, befiehlt:

“Sprich: Wenn ihr Allāh liebt, dann folgt mir, so wird euch Allāh lieben.” (Sūrah Āli ʿImrān - Vers 31)


Der große Gelehrte Sahl ibn ʿAbdullāh at-Tustarī (gest. 283 n.H.) sagte: 
“Das Zeichen, dass man Allāh liebt, ist die Liebe zum Qurʾān. Die Liebe zu Allāh und zum Qurʾān bedingt den Propheten zu lieben. Den Propheten zu lieben bedingt seine Sunnah zu lieben. Seine Sunnah zu lieben bedeutet, das Jenseits nicht zu vergessen. Das Jenseits zu lieben bedeutet, dem Diesseits abgeneigt zu sein. Dem Diesseits abgeneigt sein heißt genügsam zu sein mit dem, was man erlangt.”


Die Gelehrten jeder Zeit und Generation haben über das Thema der Liebe gesprochen. Die höchste Liebe ist die Liebe zum Schöpfer. Denn Er ist derjenige, der das Leben und das Lieben überhaupt gewährt und möglich macht. In diesem Artikel soll über die Bedeutung der Liebe, ihre Bedingungen und Stufen gesprochen werden.


1. Definition von Maḥabba (arab. für Liebe)

Die arabische Sprache ist sehr reich an Wörtern und so hat der Begriff der Liebe und Zuneigung im arabischen um die 60 unterschiedliche Synonyme. Diese werden je nach Kontext angewandt und betonen verschiedene Schwerpunkte in der Wahrnehmung der Liebe.

Das zentrale Wort für Liebe ist Maḥabba und der Gelehrte Ibn Qayyim al-Ǧawziyya (gest. 751 n.H.) erklärt in seinem Werk Rawḍat al-Muḥibbīn den etymologischen Ursprung dieses Wortes in der klassischen arabischen Sprache. Dabei nennt er einige Beispiele, in denen dieselbe Wortwurzel (bestehend aus den drei Buchstaben Ḥā - Bā - Bā ) vorkam und aus deren Kontext der Begriff der Maḥabba womöglich hergeleitet wurde:

1. Reinheit: ḥababa l-Asnān = die Zähne scheinen vor Reinheit

Das Herz hat in seiner Liebe einen reinen und nüchternen Zustand. Es gibt sich voller Unschuld der geliebten Sache hin und ist manchmal sogar in seinem Verhalten wie ein Kind, welches naiv und unschuldig durch die Welt geht.

2. Aufkommen: ḥababun = das was nach einem heftigen Regen in einer Wasseransammlung an die Oberfläche kommt

Die Liebe ist eine Erscheinungsform des Menschen. Wenn die Liebe im Herzen hervorkommt, dann durch ein heftiges Beben und durch die Erschütterung, welches es durch die geliebte Sache erfährt.

3. Niederfallen: Aḥabba l-Baʿīr = das Kamel ist niedergefallen

Das Herz fällt in der Liebe auf den Boden und verliert der geliebten Sache gegenüber seine Kraft.

4. Unruhig sein: Ḥibb = Ohrring 

Ein Ohrring bewegt sich ständig mit der Bewegung des Trägers. So bewegt sich das Herz ständig entsprechend der Regungen der geliebten Sache.

5. Essenz: Ḥabba = Der Kern einer Sache

Die Liebe ist die essenzielle Kraft und der Ausdruck des Herzens.

6. Befüllt: Ḥubb = Ein Behälter, der so voll ist, dass er nichts mehr aufnehmen kann

Das Herz ist in seiner vollkommenen Liebe durch die geliebte Sache erfüllt, dass es nichts weiteres mehr aufnehmen kann.

7. Lasttragend: Ḥubb = Ein vierteiliger Holztisch, auf den schwere Sachen gelagert werden

Das Herz muss durch die Abhängigkeit und Unterwerfung zur geliebten Sache eine Last tragen, die ihn manchmal an seine Grenzen bringen kann.

Maḥabba in der Anwendung als Liebe: 

• Die Neigung des Herzens mit Liebesregungen 
• Das Präferieren des Geliebten vor anderen 
• Mit dem Geliebten in Übereinklang (Muwāfaqa) sein, ob er nah oder fern ist 
• Die Übereinstimmung der Hoffnungen des Liebenden und des Geliebten 
• Die verehrende Diensterweisung 
• Das Viele, was man dem Geliebten gibt, als Wenig ansehen und das Wenige, was man vom Geliebten erlangt, als Viel ansehen 
• Das Eingenommen-Sein des Herzens durch die Erinnerungen an den Geliebten 
• Außer dem Geliebten alles aus dem Herz zu verbannen 
• Die Liebe zu einer Sache macht dich blind und taub.” (Abū Dāwūd, Aḥmad)


Wenn wir dieses Verständnis der Liebe auf Allāh übertragen, sagt Ibn Qayyim, kommt man zu dem Schluss, dass alles aus Liebe und für die Liebe entstanden ist. Denn vom Diener in seinem Leben werden die folgenden Punkte der Liebe erwartet:

• Allāh lieben = Im Einklang sein mit Ihm (Muwāfaqa) 
• Seine Gebote und Verbote durch den eigenen Entschluss einhalten
Anmerkung: Die Engel sind im Einklang und Hingabe ohne eigenen Entschluss, während die Menschen und Ǧinn sich dazu entschließen sollen aus freier Hingabe und Erkenntnis
• Islām kommt von Taslīm und bedeutet "sich ergeben" →  sich Allāh hingeben 

→ Allāh hat also alles erschaffen, damit es im Einklang mit Ihm ist 
→ Einklang/Liebe ist der Seinszweck der Schöpfung

Der zuvor behandelte Gelehrte Abū Ṭālib al-Makkī (gest. 386 n.H.) nennt in seinem Werk Qūt al-Qulūb einige Bedingungen und Anzeichen der Maḥabba.

Bedingungen/Voraussetzungen der Maḥabba:

• Das häufige Gedenken Allāhs 
• Der Wunsch, den Geliebten zu erreichen 
→ Abnahme weltlicher Hoffnungen, Sehnsucht nach dem Jenseits 
→ "Wer sich auf das Treffen mit Allāh freut, so freut sich Allāh auf das Treffen mit ihm.” (Buḫārī, Muslim, Tirmiḏī, Nasāʾī, Ibn Māǧa, Aḥmad) 
• Das Bevorzugen des Geliebten gegenüber dem eigenen Nafs 
• Das bewusste Verrichten der Gottesdienste 
• Die Liebe zu Seinen Worten und die häufige Beschäftigung mit Seinen Worten

Anzeichen der Maḥabba:

• Das Aufopfern von Hab und Gut auf Seinem Weg 
→ Der Einsatz des eigenen Lebens für Allāhs Sache → Abmühung, Anstrengung, Aufopferung 

"Sprich: "Wenn eure Väter und eure Söhne und eure Brüder und eure Frauen und eure Verwandten und das Vermögen, das ihr euch erworben habt, und der Handel, dessen Niedergang ihr fürchtet, und die Wohnstätten, die ihr liebt, euch lieber sind als Allāh und Sein Gesandter und das Kämpfen für Seine Sache, dann wartet, bis Allāh mit Seiner Entscheidung kommt; und Allāh weist den Ungehorsamen nicht den Weg." (Sūrah at-Tawbah - Vers 24) 

• Das Unwohlsein mit den Dingen, die von Allāh ablenken 

→ “Gebe dich Ihm in voller Hingabe hin.” (Sūrah al-Muzzammil - Vers 8) 

Binde dich an Allāh durch das Loslösen aller Dinge, die dich von Ihm ablenken.

Der ebenfalls zuvor behandelte Gelehrte Abū al-Faraǧ ibn al-Ǧawzī (gest. 597 n.H.) erwähnt in seinem Werk Madāriǧ as-Sālikīn die Stufen der Liebe und warum entsprechend dieser Stufen Allāh am meisten unsere Liebe verdient.

Fünf Stufen der Liebe

1. Liebe zum eigenen Selbst und zum Fortbestehen 
2. Liebe zu den Dingen, die das Fortbestehen ermöglichen 
3. Liebe zu denjenigen, die der Menschheit Nutzen bringen 
4. Liebe zu den äußeren oder inneren Schönheiten 
5. Liebe zu denen, zu denen man seelisch nahe ist. 

→ Die Seelen sind gleich Soldaten in Truppen. Diejenigen, die sich nahe stehen empfinden Zuneigung zueinander und verbinden sich. Diejenigen, die sich nicht nahe stehen können sich nicht miteinander verbinden.” (Buḫārī)

Warum Allāh entsprechend dieser fünf Stufen unsere Liebe am meisten verdient

1. Allāh ist der Grund für das Dasein des Menschen 
2. Allāh ist der Grund für das diesseitige und jenseitige Bestehen des Menschen und sein Wohlergehen 
3. Allāh erhält die Menschheit, gewährt Rechtleitung und Versorgung, Wissen und Weisheit 
4. “Allāh ist Schön und er liebt das Schöne” (Muslim) und er legt die Schönheit in die weltlichen Dinge 
5. Allāh ist dem Menschen seelisch am nächsten und auch dessen Urgrund. 

→ “Und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader.” (Surah Qāf - Vers 16)

Hieraus sehen wir, dass die Liebe zu Allāh und das Übereinstimmen mit Ihm die Aufgabe des Menschens auf dieser Welt ist. Alles andere sind nur Mittel, um zu diesem Ziel zu gelangen. Der Mensch darf dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren und muss bei allen Dingen, die er tut, Allāh als Endziel und als Geber und Erweiser der Gnaden ansehen. So erlangt man Seine Nähe und Zufriedenheit und kann in diesem Ziel den Zustand des Einklangs erreichen.

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